13 Fauxpas, die du als Gaikokujin in Japan kennen solltest

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13 Fauxpas, die du als Gaikokujin in Japan kennen solltest

Du wolltest schon immer nach Japan reisen und in die gegensätzliche und tiefverwurzelte Kultur Japans eintauchen? Super. Aber aufgepasst. Als Gaikokujin (sprich Nicht-Japaner) wartet auf dich an jeder Ecke ein Fettnäpfchen, denn die Japaner kennen unzählige Benimmregeln. Es ist unmöglich, alle Regeln zu kennen, aber zum Glück wird Uneingeweihten der eine oder andere Fauxpas verziehen. Mit diesen zehn Tipps gehst du den fiesesten Fettnäpfchen elegant aus dem Weg.

1. Begrüssung

Japan

Abbildung 1: Verbeugung bei informellen Treffen. Abbildung 2: Formelle Verbeugung oder bei der ersten Begegnung. Abbildung 3: Verbeugung, um sich zu entschuldigen oder in Tempeln. (Bild Quelle: subclavianartery.blog.fc2.com)

Begrüsst wird in Japan nicht wie bei uns mit einem Händedruck oder mit einem Begrüssungsküsschen, sondern mit einer Verbeugung. Allein die Art der Begrüssung zwischen zwei Personen hängt von Faktoren ab wie z.B. Position, Geschlecht oder Herkunft. So bezeugen die Japaner ihren gegenseitigen Respekt. Für uns Gaikokuijn gilt: Eine mittlere Verbeugung mit geradem Rücken und du kannst nichts falsch machen.

2. Geschenke

Wenn du von einem Japaner ein Geschenk erhältst, mache es nie vor seinen Augen auf. Zu gross wäre das Risiko, dass du mit einer unachtsamen Geste oder Mimik ihm das Gefühl gibst, das Geschenk könnte dir nicht gefallen. Dadurch würde er sein Gesicht verlieren. Eine grössere Schmach gibt es für einen Japaner wohl kaum. Daher, lieber auf die Seite legen und später aufmachen.

3. Take Away

Gibt es nicht. In Japan ist es unüblich, auf der Strasse oder während dem Gehen zu essen. Dasselbe gilt auch für Kaffeetrinken unterwegs. Das mag für uns seltsam klingen, aber in Japan gilt Essen für unterwegs als unanständig. Dies kommt wohl daher, dass das Essen in Japan hoch gewichtet wird und sich die Japaner jeweils Zeit nehmen, um zu essen. Falls du in einer Situation bist, in der es keinen anderen Ausweg gibt und du etwas zu dir nehmen musst, dann bleib einfach kurz stehen und drehe dich wenn möglich ab. Es sollte aber nicht zur Gewohnheit werden! Lass dich von der japanischen Esskultur leiten und geniesse jedes Mahl.

Japan

Iss wie ein Japaner. Nimm dir Zeit.

4. Im Restaurant

Im Restaurant wird der Gast platziert. Egal ob es ein Schnellimbiss oder ein High-End-Restaurant ist. Du trittst ein, informierst, wie viele Leute essen wollen und der Kellner geleitet dich zu einem Tisch. Das hängt bei uns vom Restaurant ab, aber in Japan ist das in jedem so üblich. Kleiner Tipp: Nicht überall wird Englisch gesprochen (unglaublich, aber wahr). Wenn du also merkst, dass der Kellner nicht versteht, wie viele Personen ihr seid (und es wird wahrscheinlich nicht an deinem Englisch liegen), dann zeige die Zahl einfach mit deinen Finger. So habe ich es auch gemacht.

5. Oshibori

Im Restaurant erhält man vor jeder Mahlzeit ein in heisses Wasser getunktes kleines Handtuch namens Oshibori. Die Japaner legen grossen Wert auf Sauberkeit. Diese dampfenden Tüchlein werden verteilt, damit sich der Gast vor dem Essen die Hände sauber reibt. Nutze es jedoch nicht für dein Gesicht. Das ist unanständig.

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Ungewohnt: Die Speisekarte steht im Schaufenster

6. Schlürfen und Schmatzen

Schlürfen… ja bitte! Schmatzen… nein danke! Die heisse Suppe schlürfen und dabei Geräusche machen, ist nicht nur ok, sondern gehört zum guten Ton. Stattdessen solltest du unbedingt darauf achten, nicht beim Essen zu schmatzen oder zu rülpsen. Das machen die Chinesen, auf gar keinen Fall aber die Japaner. Während man die Suppe und die darin enthaltenen Nudeln genussvoll in den Mund schlürft, kühlt sich die Suppe gleichzeitig auch ab und die Verbrennungsgefahr ist somit gebannt. Das Schlürfen hat also auch einen Sinn. Im Restaurant hört man das in jeder Ecke und wird insgeheim auch von uns verlangt: Es zeigt gleichzeitig, dass man die Mahlzeit geniesst und mag. Und auch wenn es anfangs Überwindung braucht, probiere es aus. Aber bitte übertreibe es nicht.

7. Mit Stäbchen essen

Die wichtigsten Benimmregeln, um die Stäbchen korrekt zu nutzen, sind: Stecke deine Stäbchen nicht in den Reis. Dies wird nur in religiösen Ritualen gemacht, nicht aber am Esstisch. Beim Essen sollten die Stäbchen die Lippen nicht berühren, noch solltest du mit den Stäbchen auf eine Person zeigen. Falls du noch nie mit Stäbchen gegessen hast, unbedingt vor deiner Sprachreise nach Japan üben! Gabel und Messer findest du spärlich. Daher: üben, üben, üben. Glaube mir, nach zwei Wochen Japan bist du ein Meister darin.

Und da wäre noch das Naseputzen: Mache dies nicht zu Tisch. Das ist nicht gern gesehen. Verlasse kurz den Raum oder wende dich zumindest ab, falls es zu spät ist, den Raum zu verlassen.

Mehr über japanische Tischmanieren findet ihr in diesem Video:

http://youtu.be/zaO-WG10Hko

Japan

8. In der Metro Handy aus: hier wird geschlafen

Klingt seltsam, ist aber so. Es gibt einen Trend in der Metro, der für uns unwirklich scheinen mag. Japaner haben die Angewohnheit, in der Metro die Augen zu schliessen und während der Fahrt einzunicken. Auf mich wirkte es ansteckend und darum habe ich auch ein Nickerchen probiert. Die Menschen in Japan stehen in der Regel früh auf, sind viel unterwegs und erst spät abends wieder zu Hause, auch aufgrund der langen Arbeitswege. So nutzen sie die langen Fahrten, um ein Nickerchen zu machen. Störende Handygeräusche oder lautstarke Telefonate sind somit nicht erwünscht in den Metros. Der Reisende wird mittels Schilder und Lautsprecher immer wieder daran erinnert. In der Metro heisst es also: Handy beim Bedienen auf lautlos stellen und keine Telefonate führen. Auch laut lachen oder laute Gespräche untereinander führen sollte unterlassen werden.

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Hinweisschild in der Tokioer Metro: Bitte Handy ausschalten. (Bild Quelle: 1000thingsaboutjapan.blogspot.ch)

9. Drängeln und Schieben

Ein No-Go in Japan. Auch wenn sich zu Stosszeiten Tausende von Menschen in die Metro drängen, benimmt sich niemand unhöflich oder forsch. Stets wird aufeinander Rücksicht genommen und nicht gedrängelt. Niemand drängelt, also wird auch von uns Gaikokuijn ein respektvoller und freundlicher Umgang gefordert! Hier ein kleiner Tipp: Du bist ja auf Reisen und hast somit keinen Stress. Falls die Metro also zu vollgestopft ist, warte einfach einen oder zwei weitere Züge ab. Vielleicht lichtet sich der Strom an Menschen ein wenig. Ausserdem ist es interessant, das bunte Treiben zu beobachten.

10. Rauchen mit portablem Aschenbecher

Rauchen

In Japan ist es verpönt, rauchend durch die Stadt zu gehen. Dafür gibt es entsprechende Raucherzonen. Falls du es nicht lassen kannst und auch unterwegs rauchen möchtest, empfehle ich dir, einen portablen Aschenbecher mitzuführen.

11. Taxifahren auf japanisch

Sei auf der Hut und versuche nie, eine Taxitüre selber zu öffnen. Sie öffnet sich nämlich selbstständig. Cool oder? Im Taxi sowie auch in den Restaurants wird nie Trinkgeld gegeben. Das ist nicht üblich und wird von den Japanern gar nicht geschätzt. Es geht soweit, dass die japanische Bedienung oder der Taxifahrer den Kunden auf der Strasse nachgehen, um das Geld zurückzugeben.

12. Zu Hause Schuhe aus

Zu Hause werden immer die Schuhe ausgezogen bevor man ins Haus tritt. Ganz wichtig! In jedem Privathaus gibt es extra einen dafür konzipierten Eingangsbereich, den Genkan, um die Schuhe vor dem Betreten des Wohnbereiches zu deponieren. Auch in den Restaurants findet man teilweise Genkans. Wichtig: Es gibt vor allem in Privathäusern oftmals extra Pantoffeln für die Toilette. Diese sind dafür da, dass keine Unreinlichkeit von der Toilette in den Wohnbereich gelangt! Achtung: Beim Verlassen der Toilette die Pantoffeln nicht vergessen auszuziehen und wieder in die eigenen zu schlüpfen.

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Aufs WC mit Extra-Pantoffeln

13. Anprobieren mit Kapuze

Auch vor den Umkleidekabinen in den Einkaufshäusern wird erwartet, dass du die Schuhe ausziehst. Siehst du Teppiche in der Umkleide oder bereits Schuhe vor einer Umkleidekabine, kannst du sicher sein, dass die Schuhe ausgezogen werden müssen. Und um das Ganze noch zu toppen: Die einen Kleidergeschäfte verteilen zusätzlich noch eine Kapuze für das Anprobieren der Kleider. So schützen sie die Kleider vor Verschmutzung und Abnutzung.

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Ungewohnt: Beim Kleideranprobieren Kapuze auf.

Kennt ihr weitere Fauxpas oder Benimmregeln für Japan? Schreibt mir mit einem Kommentar! Und falls ihr einen Sprachaufenthalt in Japan plant, könnt ihr mir jederzeit eure Fragen schicken.

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Gastautor/in

Marina ist Kundenberaterin bei Boa Lingua in Winterthur und hat während ihrem Sprachaufenthalt in Tokio Verschiedenes ausprobiert, um die japanische Kultur besser kennenzulernen. Hast du Fragen? Schreib Marina mit einem Kommentar.

Marina

Marina

Ich bin Kundenberaterin bei Boa Lingua und habe selbst schon mehrere Sprachreisen absolviert. In unregelmässigen Abständen verrate ich an dieser Stelle hilfreiche Tipps und Tricks rund um das Thema Sprachaufenthalte.

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6 Comments

  • Weingartner Martin

    Haha lustig solche Tipps zu sehen, nachdem man selber in Tokio war. Habe 3 Monate in der Kai-Schule verbracht, von mir aus geseh eine der besten, wenn aber nicht unbedingt billig. War eine unvergessliche Zeit. Zur U-Bahn vielleicht noch, es wird ebenfalls nicht gerne gesehen wenn man untereinander spricht (So kam es mir z.T. vor).
    ansonsten gute tipps und viel Spass

    21. August 2014 at 21:22
  • Marina

    Lieber Martin
    Recht hast Du: In der U-Bahn ist nicht mal untereinander sprechen gern gesehen. Eine wirklich spannende Erfahrung, gell?
    Vielen Dank für Deinen Kommentar 😉
    Happy Friday – Marina

    22. August 2014 at 9:34
  • Maki

    hallo Marina, das ist ein super Artikel! gefällt mir sehr 🙂 ich bin in Japan aufgewachsen.
    „1. Begrüssung“ ist wichtig wenn man in Kundenservice arbeitet. 13. Das Bild ist sehr lustig…stimmt das habe ich nie in anderen Ländern gesehen. Ich habe jetzt gemerkt es gibt so viele andere und gute Sache in Japan gibt…

    Ich habe ein neues Blog über japanische Rezepte, die man mit Zutaten in Deutschland machen kann. Falls Jemand Interesse hat, hier ist die Links.
    http://www.makitchen.de
    http://www.facebook.com/makitchen.de

    21. Februar 2015 at 22:54
  • Tilo

    Danke für den artikel.
    Bitte helfen sie, den satz zu übersetzen „おまえのことが好きだ“.
    Bevorzugte übersetzer http://deutsch.opentran.net/japanisch-deutsch, aber nicht sicher, das ist richtig.

    13. März 2015 at 23:04
    • Rahel Stössel
      Rahel Stössel

      Hallo Tilo

      おまえのことが好きだ bedeutet, dass er oder sie dich mag 😉

      Gruss
      Rahel

      16. März 2015 at 10:25
  • bruno

    Hallo zusammen

    ich habe fast die GANZE Welt bereist.

    Japan aber noch nicht ;(
    Ich habe gerne Sushi und würde gerne dieses Land kennen lernen!

    Würde gerne auch mit einem Japanischem Kochmesser in die Schweiz zurück kehren ;))

    Selber machen (oder selber kaufen) !

    Habt ihr da ERFAHRUNG ?

    Danke für deine INFO
    Bruno aus der Schweiz/Wetzikon

    30. August 2016 at 2:55

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