Interview: Abenteuer Familien-Sprachaufenthalt

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Interview: Abenteuer Familien-Sprachaufenthalt

Das etwas andere Sommerferienprogramm: ein Familien-Sprachaufenthalt.

Das etwas andere Sommerferienprogramm: ein Familien-Sprachaufenthalt.

Mit der ganzen Familie in den Sprachaufenthalt? Auf dieses Abenteuer eingelassen haben sich diesen Sommer Marah (37), die für Anyworkingmom schreibt, ihr Mann Reto (37), Sohn Nic (13) und Tochter Sue (4). Während Nic in Antibes einen Jugendlichen-Sprachaufenthalt gemacht hat, verbesserte Reto seine Französischkenntnisse im Einzelunterricht und Marah hat einen Gruppenkurs besucht.

Nach einer erlebnis- und lehrreichen Woche im Süden Frankreichs sind sie uns Red und Antwort gestanden:

Alles über den Familien-Sprachaufenthalt

Was ging euch durch den Kopf, als ihr das erste Mal von einem Sprachaufenthalt für die ganze Familie gehört habt?

Marah: Ich kannte das Konzept «Familien-Sprachaufenthalt» nicht. Bekannt waren mir Sprachreisen für Jugendliche oder längere Sprachaufenthalte für Erwachsene. Dass die ganze Familie auf Sprachreise gehen könnte, hat mich sofort neugierig gemacht. Wir haben zwei Kinder mit grossem Altersunterschied und immer wieder das Problem, dass das ältere in den Ferien viel Langeweile hat und es daher auch viele Konflikte gibt, da wir das Programm vor allem auf das jüngere Kind abstimmen müssen. Dass Nic eine Sprachschule besucht, erschien mir daher schnell eine gute Lösung.

Familien-Sprachaufenthalt
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Nic, wie hast du dich gefühlt, als du erfahren hast, dass du in deinen Sommerferien Französisch lernen wirst?

Nic: Gar nicht toll. Sogar in den Ferien noch in die Schule? Darauf hatte ich erst überhaupt keine Lust.

Wieso habt ihr euch für einen Sprachaufenthalt in Antibes entschieden?

Marah: Als Kind war ich oft in Südfrankreich und habe nur positive Erinnerungen. Antibes kannte ich nicht, habe aber von Bekannten immer nur Gutes gehört. Zudem wollte ich sowieso schon lange mal nach Nizza und Cannes, was ja beides in unmittelbarer Nähe liegt.

Wie war der erste Schultag?

Marah: Der erste Schultag war stressig. Im Sommer ist es in Südfrankreich sehr heiss und das Château, in dem der Einstufungstest stattfand, lag am Hang, mindestens eine halbe Stunde Fussweg von unserer Unterkunft entfernt. Der Test ist sehr umfangreich und anspruchsvoll. Da der Einstufungstest so ausführlich ist, empfehle ich einen Aufenthalt von mindestens zwei Wochen. Für eine Woche lohnt sich der Aufwand wenig.

Wie hat dir der Unterricht gefallen?

Reto: Einerseits habe ich selbst gemerkt, wo und wann ich noch stocke – aber auch, wie viel Vokabular ich einst mal abrufen konnte. Andererseits habe ich von meiner Lehrerin direktes Feedback bekommen: Sie hat mir gezeigt, wie ich es einfacher sagen kann, hat mich korrigiert und mir konkrete Fälle erklärt. Zum Beispiel sagte ich häufig «au moment» und meinte «im Moment» – das geht aber so im Französischen nicht, wie sie mir erklärte. Sage ich «au moment», muss immer auch «ou» kommen, also «im Moment als…». Richtig für «im Moment» wäre «en ce moment». Wir haben jeweils 1,5 Stunden relativ ziellos geplaudert (über Familienmodelle, Dänemark, Schule oder Neurosen) und doch ist jedes Mal ein spannendes und bereicherndes Gespräch entstanden. Am Ende hätte ich gerne noch mehr Gesprächstermine gehabt.

Grammatik spielt eine Rolle. Vielmehr geht es aber um die mündliche Kommunikation - v.a. im Einzelunterricht.

Grammatik spielt eine Rolle. Vielmehr geht es aber um die mündliche Kommunikation – v.a. im Einzelunterricht.

Konntest du von nur wenigen Tagen Einzelunterricht profitieren?

Reto: Durchaus. Ich hatte insgesamt neun Jahre lang Schulfranzösisch; bin also mit der Theorie ziemlich vertraut, darauf konnten wir natürlich aufbauen. Allerdings habe ich seit fast 15 Jahren kaum mehr Französisch geredet. Die Hauptarbeit war also, mein Wissen aufzufrischen und all das, was irgendwo im Hinterstübchen noch vorhanden ist, zu reaktivieren. Das hat mit den intensiven Einzelgesprächen sehr gut funktioniert. Ich fühle mich wieder etwas sattelfester und bin zuversichtlicher: Es braucht zwar etwas Zeit, um mein Französisch zu reanimieren, aber es ist nicht verloren.

Ich fühle mich wieder sattelfester und bin zuversichtlicher: mein Französisch ist nicht verloren.

Wie war die Sprachschule vor Ort? Wie hat ein typischer Schultag ausgesehen?

Nic: Es ist eine sehr grosse Anlage mit Hunderten von Kindern. Ich wurde um 07.30 Uhr morgens mit dem Minibus vor unserer Residence abgeholt und auf den Campus gefahren, wo es Frühstück gab. Um 08.30 Uhr fing der Unterricht an, um 10.30 Uhr gab es 15 Minuten Pause und um 12.30 Uhr Mittagessen. Zwischen 14.00 und 14.30 Uhr ging es dann mit den Aktivitäten los, zum Beispiel waren wir auf einem Stadtrundgang oder haben im Pool gespielt. Um 18.00 Uhr wurden wir dann wieder abgeholt. An zwei Nachmittagen waren wir aber auch als Familie unterwegs.

Hast du schnell neue Freunde gefunden?

Nic: Ja. Am ersten Tag habe ich gleich fünf bis zehn andere Teenies kennengelernt, die Deutsch oder Englisch sprechen.

Was hat dir besonders gefallen im Sprachaufenthalt?

Nic: Die Aktivitäten am Nachmittag und meine Handy-Zeit. Der Unterricht hat mir nicht so gefallen, die Lehrer sprachen alle nur Französisch. Ich habe mir einen aufblasbaren Flamingo gekauft und ihn im Meer ausprobiert, das war cool. Aber auch mit den anderen Schweizer Kindern in der Residence Räuber und Poli zu spielen, fand ich toll.

Nic haben vor allem die Freizeitaktivitäten gefallen.

Nic haben vor allem die Freizeitaktivitäten gefallen.

Was hast du aus den paar Tagen Sprachaufenthalt in Antibes mitgenommen?

Marah: Ich fand die Lehrerin und die Gruppe, die ich am zweiten Tag besuchen durfte sehr freundlich und motivierend. Gerne hätte ich mich länger mit ihnen unterhalten. Für mich kristallisierte sich trotzdem schnell heraus, dass mit einem Kleinkind kaum beide Elternteile die Sprachschule besuchen können. Für uns war es besser, nur einer nimmt am Unterricht teil. Ich fand unsere Lösung ab dem dritten Tag ideal: Der Teenager jeden Morgen in der Sprachschule und drei Nachmittage mit Aktivitäten in der Gruppe betreut, Reto drei Nachmittage in der Sprachschule, ich mit der Kleinen. So hatte jeder etwas Zeit für sich, lernte andere Leute kennen und trotzdem blieb genug Raum für Familienzeit.

«Neben dem Unterricht bleibt genug Raum für Familienzeit.»

Antibes als Ort hat mir sehr gut gefallen. In Juan-les-Pins hat es mir etwas zu viel Trubel, ist aber für die Jugendlichen toll. Die Umgebung ist herrlich und das Meer sauber. Mir hat es sogar so gut gefallen, dass ich mit einer Freundin im Frühling nochmals eine Woche nach Antibes fahre. Wir machen dann Frauen-Kind-Ferien.

Was habt ihr in der Freizeit erlebt?

Marah: Wir waren öfters in der Altstadt von Antibes unterwegs. Es hat bezaubernde kleine Läden, tolle Märkte und Restaurants. Wir badeten im Meer und besuchten Cannes. Im Frühling möchten wir noch mehr von der Umgebung sehen: Nizza, Marineland und den Wasservergnügungspark Aquasplash.

Antibes hat sich für uns als perfekter Ort für unseren Sprachaufenthalt erwiesen.

Antibes hat sich für uns als perfekter Ort für unseren Sprachaufenthalt erwiesen.

Tipps für Familien in Antibes
La Plage de la Gravette: Strand direkt beim Hafen in Antibes, lehnt sich an die Stadtmauern. Familiär, sauber und wunderschön!
Bistro chez Jules, 8 rue Thuret: Authentisches, kleines Bistro. Sehr feine Fleischplatte.
Glaces d’Amarena, 18 Rue Thuret: Sehr gute hausgemachte Gelati.
Provenzalischer Markt: Der überdachte Markt findet regelmässig am Vormittag von Dienstag bis Sonntag statt. Etwa 50 Händler bieten alles Mögliche an: Obst und Gemüse, Küchengeräte, Möbel, Spielzeug oder Blumen.
Lebensmittel: Im Supermarkt sind sie eher teuer. Es lohnt sich auf dem Markt oder in den Metzgereien, Bäckereien etc. einzukaufen.

Was könnt ihr einer anderen Familie weitergeben, die sich für einen Familien-Sprachaufenthalt interessiert?

Reto: Dass sie sich Zeit nehmen soll. Eine Woche ist zu knapp, um wirklich profitieren zu können. Hat man so wenig Zeit, geht man wohl auch verbissener ran und ist schneller frustriert. Die Sprache mit Musse, aber auch mit Struktur angehen zu können, scheint mir da viel sinnvoller. Auch würde ich raten, den Einschätzungstest gut zu studieren und geduldig auszufüllen; ich denke, man profitiert am meisten in einer Gruppe, in der das Niveau nicht zu stark variiert. Und am Ende sollte man sich nicht unterkriegen lassen, nur weil man die nuschelnden Franzosen auf der Strasse nicht versteht.

Marah: Ich würde einen Familien-Sprachaufenthalt sofort weiterempfehlen. Wenn alle Unterricht wollen, empfehle ich jedoch mit Kindern ab zehn Jahren und mindestens zwei Wochen zu gehen.

Noch mehr zu unseren Erfahrungen im Familien-Sprachaufenthalt gibt’s in diesem Artikel auf anyworkingmom.com.

Susanne Moore

Susanne Moore

Nach drei erlebnisreichen Jahren in London ist Susanne seit 2016 als Marketing Communication Manager bei Boa Lingua tätig. Zuvor hat sie einen Sprachaufenthalt in San Diego gemacht und für ein halbes Jahr in Paris studiert. Susanne hat eine Leidenschaft fürs Reisen, die internationale Küche und den Laufsport.

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