Oxford: Regen und Queuing

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Oxford: Regen und Queuing

Vor etwa zweieinhalb Monaten konnte ich kaum atmen vor Nervosität: Abflug Zürich nach London Heathrow. Das letzte Mal Umarmungen austauschen und ein paar Tränen vergiessen und ab geht es. Nach zweistündigem Flug und abermals zweistündiger Busfahrt neben einem mehr oder weniger penetrant riechenden älteren Herrn erreiche ich schlussendlich Oxford. Und hier bleibe ich elf Wochen lang.

Der erste Eindruck

Eine wunderschöne Stadt mit prächtigen Bauwerken, voller Cafés und Restaurants erwartet mich. Total verwirrt und verloren stehe ich am Busbahnhof mit meinem «extra size»-Koffer und meinem etwas überfüllten Handgepäck. Nächste Herausforderung: finde ein Taxi… Ich folge mal meiner weiblichen Intuition und lande doch wirklich vor einer Schlange bunter und richtig englischer Taxis! Ich gebe meine Adresse durch und entweder ist der Taxifahrer schwerhörig, untalentiert oder meine Gastmutter lebt so am Ende, dass ich mich schon auf eine ewige Reise zur Schule freuen kann. Glücklicherweise hatten wir zwei nur ein kleines Verständigungsproblem und der Schulweg beschränkte sich auf ein Minimum von 25 Minuten.

Aussicht über Oxford

Aussicht über Oxford

Nach meinen ersten Anreise-Problemen war es eine Genugtuung zu sehen, dass meine herzliche Gastmutter sich hervorragend um mich kümmert und mir meine tollen grammatischen (Nicht-)Fähigkeiten nicht all zu übel nimmt. Obendrein konnte ich mich auf elf Wochen in einem Doppelbett freuen und  hatte sogar Bewegungsfreiheit in meinem Zimmer. (Habe andere Geschichten von meinen Freundinnen gehört.) Ausser einer Minderheit von dämlichen Fliegen mit null Orientierungssinn und seeeehr wenig Gehirn, die doch immer ihren Weg zu meinen äusserst attraktiven Zimmerlampen gefunden haben, ist mein Zuhause krabbeltierfrei geblieben. Ihr dürft euch jetzt kurz vorstellen, wie ich sehr elegant, mit einer Teetasse in der einen Hand und einem zufällig ausgesuchten «homework sheet» in der anderen, auf meinem Bett herumgehopst bin, um diese Fliegen loszuwerden. Nach mehrmaligem Luft-Schlagen sogar erfolgreich!

Lauter positive Überraschungen in der Schule

Die Schule stellt sich als eine wirklich gute Entscheidung heraus! Die Lehrer sind sich nicht zu schade, Witze zu reissen und auch mal einen auf ihre Kosten zu ertragen. Ich lande überraschenderweise in der CPE-Klasse, obwohl ich mich für die Vorbereitung auf das Advanced Exam angemeldet habe. Grundsätzlich wollte ich einen Abschluss, dass ich auch etwas vorzeigen kann, sobald ich an die Uni gehe oder später einen Job annehmen möchte. Demzufolge habe ich eigentlich nur meinen persönlichen Druck und ich lerne viel und versuche, meine Klassenkameradinnen aufzuholen, die alle schon ein paar Wochen länger dort sind! Ja, richtig gehört, wir sind nur Mädchen, was aber kein Problem ist und auch nie eins werden wird während diesen Wochen, da wir ja alle im selben Boot sitzen! Im Allgemeinen sind viel mehr Mädchen in unserer Schule als Jungs. Mit der Zeit gewöhne ich mich an alles und kann meinen leichten Schweizer Akzent preisgeben.

Das Freizeitangebot an der Schule wird von einem ziemlich lustigen Spanier geplant und ausgeführt. Es kommt so weit, dass er sogar mit sieben von uns Mädchen an einem Zumbakurs teilnimmt. Doch neben sämtlichen sportlichen Aktionen steht Essen und Sightseeing auch ganz oben auf der Liste, vor allem Cream Tea und Fish&Chips sind immer wieder zu geniessen.

Radcliff Camera und College Gebäude

Radcliff Camera und College-Gebäude

Persönlich habe ich nie an einem der Konzertbesuche oder PubNights teilgenommen, da ich meistens mit Lernen beschäftigt war oder einfach faul und unmotiviert, mich dem frischen englischen Wind ausserhalb meiner vier Wände zu stellen.

Typisch britisches Wetter

Damit komme ich zum nächsten Thema: das Wetter. Im Allgemeinen bin ich mir ja Schweizer und demzufolge kaltes Wetter gewöhnt, aber dieser grässliche Wind hier hat mich schon Ende September gezwungen, eine Winterjacke anzuziehen. Engländer sind dagegen hart im Nehmen: Jetzt ist es Dezember und ich sehe immer noch Leute in T-Shirts, sei es auf dem Fahrrad, an der Bushaltestelle oder Freitagnacht um 2 Uhr. Letzteres hängt vor allem mit der Einstellung einiger Partygänger zusammen, wo doch das kürzeste Kleid und ja kein Mantel die beste Kombination für einen tollen Club-Abend ist. Gespart wird nicht an Alkohol und Eintritt, aber an den zwei Pfund für die Garderobe! Aber anders als erwartet, hat es nicht nur geregnet. Ich glaube, ich habe vielleicht fünf Tage von meinen 77 Tagen hier mit richtigem «downpour» erlebt.

Apropos schlechtes Wetter: Es scheint so, dass englische Kinder nicht ganz wasserdicht sind. Jedes Mal, wenn die Vorhersagen Regen für möglich gehalten haben, war da plötzlich dieser unendliche «traffic jam» auf der Hauptstrasse. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass die britische Kreisverkehrs-Regelung zusätzlich mehr Chaos als Ordnung erzeugt. Nichtsdestotrotz mussten Eltern ihre Kinder an solchen Tagen in die Schule FAHREN! Es ist völlig egal, dass die Kinder unter leichtem Regenschauer etwa zehn Minuten früher angekommen und sämtliche «public transport»-Nutzer um einiges weniger nass geworden wären. Nein, das muss so sein, natürlich.

Stau in Oxford

Stau in Oxford

Wenn ich schon bei öffentlichem Verkehr bin: Schlange stehen ist ein absolutes Muss in England! Und wehe der Herr, zehn Sekunden früher angekommen, kann nicht vor dir einsteigen und du wirst mit englischen Fluchwörtern bombardiert, die ich jetzt nicht erwähnen möchte (hauptsächlich, weil ich nur schwer etwas aus der Schimpftirade heraushören konnte). Ich möchte den baldigen Britannien-Besucher auch vor den Treppen in den Doppeldecker-Bussen warnen, ich bin einmal rauf- und einmal runtergestolpert. Trotz allem mag ich Engländer!

Langweilig wird es einem nie

Im Grossen und Ganzen hat es sich wirklich gelohnt, hier nach England zu kommen. Ich habe riesige Fortschritte in allen meinen Englisch-Fähigkeiten gemacht und sehr viel Neues gelernt. Oxford ist perfekt, um auch mal Besucher aus dem Heimatland zu empfangen und trotz möglichem Regen kann das Ganze noch genossen werden. Neben einem überdachten «all day»-Markt, Christ Church, einem riiiiiiesigen Buchladen und der Bodleian Library gibt es eine Shopping-Strasse und unzählige Colleges zu besichtigen.

London ist nicht ganz 1.5 Stunden entfernt und rund um Oxford gibt es Sehenswürdigkeiten wie das Fashion-Outlet Bicester Village (sprich Bister Villetsch) oder der Blendheim Palace (sprich Blenhm Päläs). Meine Schule hat ausserdem jedes Wochenende zwei oder drei Trips zu verschiedenen Städten oder Attraktionen organisiert (von Bath & Stonehenge über Stratford-Upon-Avon zu Cardiff in Wales).

Meine elf Wochen sind bald um und ich freue mich riesig auf Zuhause und vor allem darauf, Schweizerdeutsch zu sprechen! 🙂

Gastautor/in

Ich bin Andrea aus Volketswil/ZH, 19 Jahre alt. Sprachen und Kulturen begeistern mich. In meiner Freizeit treibe ich viel Sport, spiele Querflöte, treffe Freunde und fotografiere. Ich bin ein Strumpfhosen-Fan!

Gastautor/in

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