Sprachreise-Angebot: Werden Sie in vier Wochen zum Russen-Versteher

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Ein Besuch beim Kurs «Russisch: Kultur & Tourismus» in St. Petersburg.

Die erste Sprachlektion in der Schule ist ein Desaster. Das kyrillische Alphabet, die seltsame Aussprache, aaaahh! Wir lernen «Guten Tag, wie gehts?» – «Schlecht», wäre die Antwort. In unserer Klasse sind ein Consultant aus Amsterdam, ein Student aus Italien und ein Skilehrer und Bergführer aus St. Moritz.

Urs, 54, ist braun gebrannt, rote Wangen, Jeans, Poloshirt, Turnschuhe. Vier Stunden Sprachkurs, zwei Stunden Info-Seminar – Urs fürchtet um sein Durchhaltevermögen. «Ich weiss nicht, ob ich  es einen ganzen Tag in geschlossenen Räumen aushalte.» Russland reizt ihn, seit er als Teenager in Herisau den Stich mit den Kornschiffen gesehen hat, die der Zar den Appenzellern während der Hungersnot im 19. Jahrhundert geschickt hat. Klar, auch Urs weiss: Spricht ein Skilehrer Russisch, ist er für die Millionäre aus Moskau der Held der Piste.

Im Seminar am Nachmittag  liefert Denz einen Abriss der russischen Kultur («der Machtapparat ist zutiefst verhasst»), berichtet über ihr Geschichtsverständnis («aus unserer Sicht völlig falsch») oder die Lebenserwartung der Männer («mit 57 Jahren sehr niedrig»). Wir lernen, dass man nie über der Türschwelle die Hand gibt, dass man nicht «Herr Putin» sagt, sondern den Vornamen plus den sogenannten Vatersnamen (also «Wladimir Wladimirowitsch»). Seit 2001 ist hierzulande die Zahl der Übernachtungen von Russen jährlich um fast 20 Prozent gestiegen, vergangenes Jahr waren es 400’000. Urs, der Skilehrer aus St. Moritz: «Mehr Russen geht fast nicht.» Der russische Gast gibt im Schnitt 430 Franken pro Tag aus, nur die Araber liegen höher.

Denz: «Sie haben wegen des Kalten Krieges einen Nachholbedarf, wollen Spass haben. Manchmal wissen sie nicht, wie sie sich benehmen müssen.» Fallbeispiele werden diskutiert, etwa jenes, wo eine Gruppe Moskauer im Bergrestaurant einen Wodka nach dem anderen bestellt und die anderen Gäste mit ihrem Gegröle stört. In den nächsten Seminaren wird Urs üben, wie er in diesen Situationen auf Russisch reagieren soll.

Dieser Text ist ein Ausschnitt aus der SonntagsZeitung vom 07.12.2009 (Verfasserin: Stefanie Rigutto).
http://www.sonntagszeitung.ch/reisen/

michele

Sizilianische Wurzeln, in der Schweiz aufgewachsen, in Hamburg studiert, in Berlin verliebt, in Tschechien geheiratet und in Italien dreimal Papi geworden. Wenn ich nicht koche, fahre ich am liebsten Velo oder musiziere.

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