Südafrika: climbing high

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Südafrika: climbing high

–> Hier findest du Bernadettes ersten Blogpost „Südafrika: the wind is calling“ und ihren zweitenSüdafrika: Let’s hit the water„.

Lion’s Head

Lion's head

Der Lion’s Head ermöglich einem die Stadt aus der Vogelperspektive zu entdecken.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass man sich in Kapstadt gross verlaufen kann. Denn fast von überall kann man einen Blick auf den teilweise mit Wolken bedeckten Tafelberg werfen. Genauso markant wie der Tafelberg schiesst der Kopf des Löwen – Lion’s Head – mit dem Signal Hill als Ausläufer mitten aus der Stadt empor. Wie ein Magnet zieht Lion’s Head meinen Blick an und intensiviert den Drang, ihn zu erklimmen. Relativ spontan machen wir uns an einem Sonntag zur späten Nachmittagsstunde, um der grössten Hitze zu entkommen, auf den Weg. Die rote Erde zu Beginn des Aufstieges erinnert mich ans australische Outback. Schon bald sind meine Turnschuhe rötlich eingepudert wie damals. Fast eine ganze Umrundung lang wandern wir gemächlich aufwärts. Ich frage mich schon, wie oft wir den Gipfel noch umwandern müssen, um effektiv oben anzukommen, als wir plötzlich mehr oder weniger vor einem senkrechten Aufstieg stehen. Das folgende Stück stellt sich schon bald als mein Lieblingsabschnitt heraus, denn es geht kletternd die Felswand empor, bis wir fast auf dem Gipfel stehen. Die 360°-Aussicht fasziniert mich und gibt einen umfassenden Überblick über die Stadt. Traumhafte Fotos entstehen. Während die Sonne rasch am Horizont ins Meer taucht und den Himmel in orange-rot-violette Töne färbt, stossen wir auf unsere Erstbesteigung an.

Lion's head am frühen Morgen

Genau so lohnenswert wie Sonnenuntergang und Vollmond erweist sich die Besteigung des Lion’s Heads zu früher Morgenstunde, um der Stadt beim Erwachen zuzusehen.

Nur gerade vier Tage später ist Vollmond und Lion’s Head bei Vollmond müsse angeblich sehr empfehlenswert sein. So machen wir uns um halb sechs mit dem Taxi auf den Weg, um pünktlich zum Sonnenuntergang auf dem Gipfel zu stehen. Bei unserer Zeitkalkulation haben wir jedoch den Feierabendverkehr nicht mit eingerechnet und ich werde etwas unruhig, während wir im stockenden Verkehr feststecken. Eine knappe Stunde später stehen wir dennoch am Anfang des Aufstieges. Als wir etwas ausser Atem den Gipfel erreichen, wimmelt es nur so von Gleichgesinnten. Gerade verschwindet die Sonne im Westen während der Mond in seiner ganzen Grösse über dem Gebirge im Osten auftaucht. Wir sind fast die Letzten, die den Gipfel verlassen, doch der Mond spendet durch den wolkenlosen Himmel reichlich Licht. Zusätzlich gewöhnen sich die Augen schnell an die Dunkelheit. Dennoch bleibt ein leicht mulmiges Gefühl. Vielleicht lungert ja doch noch der ein oder andere Skorpion irgendwo auf einem Stein herum, während ich mit meinen Händen haltsuchend ins Halbdunkle greife. Doch auch diese Gedanken werden durch den Anblick der leuchtenden Stadt, die den anliegenden Atlantik zum Glitzern bringt, immer wieder vertrieben.

Wave after wave

Hat es einmal keinen Wind zum Kiten, so kann man fast sicher damit rechnen, dass in Big Bay oder Muizenberg einige schöne Wellen zum Surfen einladen. Aber auch das Gegenteil, dass der South-Eastern-Wind so richtig aufdreht, ist während den Sommermonaten keine Seltenheit. Dies spüre ich einerseits daran, dass ich meinen kleinen 7er Kite nur langsam im Kampf gegen den Wind an den Strand bringe. Dort baue ich ihn in stetiger Angst, dass er gerade davon gewindet wird, auf. Andererseits sind diese Starkwindtage auch in der Stadt zu spüren. Aufgedreht verlassen wir das The Fugard Theater nach einer mitreissenden und publikumsinvolvierenden The Rocky Horror Show. Der Wind hat sich innerhalb der vergangenen Stunden aufgedreht und lässt uns in den Gassen vor dem Theater die eigentlich beendete Show noch etwas weiter spüren. Böig und mit einem furchterregenden Geheule werden wir fast von den Füssen gerissen, während wir zwischen den Häuserreihen im District 6 stehen und auf unser Taxi warten. Ein anderes Mal sitze ich im gefährlich schwankenden MyCiti Bus. Durch die Fenster sehe ich, wie Kartonstücke unkontrolliert durch die Strassen gefegt werden. Währendessen wirbeln Plastiksäcke wie kleine Ballons herum, bis sie sich in Gitterabsperrungen und Zäunen verfangen.

Langebaan

Willkommen im Paradies – Langebaan.

An solchen Starkwindtagen, an denen sich das Meer zu kolossalen Wellen aufbäumt, zieht es mich zum Kiten in gemächlichere Bedingungen. Wir fahren nordwärts Richtung Langebaan. Ich bin neugierig, wie dieser Ort, der angeblich ein Flachwasserspot sei, wohl sein wird. So richtig vorstellen kann ich mir das nicht, denn bislang haben kleinere und grössere Wellen mein Bild der Gewässer Kapstadts geprägt. Während ich vor mich hindöse, fahren wir mit konstantem Tempo schnurgeradeaus. Offenbar werden immer wieder grössere Wildtiere entlang dieser naturbelassenen, wunderschönen Route gesichtet. Heute scheinen wir jedoch kein Glück zu haben. Nach einer guten Stunde erblicke ich wieder Zivilisation. Wir müssen wohl in Langebaan angekommen sein. Wir durchqueren die im Gegensatz zu Kapstadt sehr ruhige Ortschaft. Ich frage mich schon, wo es denn jetzt noch hingehen soll, als vor mir völlig unerwartet kristallklares, türkisfarbenes Wasser auftaucht, das von einer hellen Sandbank umgeben ist. Überwältigt von diesem Anblick bleibt mir der Mund offen stehen. Ich würde einmal behaupten der Slogan „Ride in Paradise“, mit dem eigentlich die Kiteschulen auf Sansibar werben, würde hier genauso passen. Ich stelle schnell fest: Das seicht warme Wasser der Shark Bay geannten Lagune eignet sich äusserst gut, um den ein oder anderen Trick zu üben. Denn im Falle eines Crashs wird man nicht von einer heranrollenden Welle überspült und im Anschluss nach Luft schnappend auf die Suche nach seinem verlorenen Kiteboard gehen. Es erstaunt mich wenig, dass die Kiteschulen den Weg nach Langebaan auf sich nehmen. Die ersten Wasserstart- und Fahrversuche verlaufen hier garantiert um einiges angenehmer und erfolgreicher als in Kapstadt.

Table Mountain

Tafelberg bei Nacht

Tafelberg bei Nacht

Tafelberg bei Tag

Tafelberg bei Tag


Zwischen Devil’s Peak und dem Lion’s Head hat er sich lange ausgestreckt und sein Name könnte dem Erscheinungsbild entsprechend nicht passender gewählt sein. Genau, ich spreche vom Tafelberg. Kaum war ich in Kapstadt eingetroffen, diskutierten wir auch schon darüber, wann wir auf den Tafelberg gehen sollen. Dennoch vergehen mehrere Wochen, bis wir uns endlich früh morgens mit viel Wasser, Sonnenschutz und Windjacke auf den Weg machen. Über Routen haben wir im Vorfeld viel gesprochen und auch eine Karte haben wir vorsichtshalber eingepackt. Doch rechnen wir primär damit, dass unser Taxifahrer uns schon an den richtigen Ausgangspunkt für den Aufstieg bringt. Es beginnt gerade erst zu dämmern und einige Nebelschwaden liegen in der Luft, als wir zu dritt am Fusse des Tafelberges ankommen. Wir blicken zu unserem Ziel empor – wirklich weit entfernt scheint dieses gar nicht zu sein. Schon bald werden wir aber eines besseren belehrt. Wir stellen fest, dass wir nach kurzem Aufstieg erst einmal auf dem Counter Path horizontal dem halben Berg entlang wandern müssen bis wir beim Platteklip Gorge Aufstieg ankommen. Unser Ziel – so scheint es – ist nun noch weiter entfernt, als je zu vor. Während wir gemächlich die steilen Serpentinen hoch schlendern, merken wir plötzlich, dass uns der eine oder andere Entgegenkommende bekannt ist, da er uns bereits schon überholt hatte. Glücklicherweise geizen die Heruntersteigenden nicht mit motivierenden Worten wie „You are nearly there!“.

Das Wetter scheint an diesem Morgen doch einige Male zu wechseln. So ist mit uns auch die Nebeldecke den Berg hochgestiegen und lässt uns grösstenteils ins Weisse blicken. Unserer Enttäuschung über die sehr eingeschränkte Aussicht wirken wir mit den Worten „nicht die Aussicht war unser Ziel, sondern die Besteigung des Table Mountains durch Eigenkraft“ entgegen. Wir geniessen das Gefühl, zu so früher Stunde bereits so viel erreicht zu haben. Wer weiss, vielleicht bekomme ich die Aussicht zu einem anderen Zeitpunkt ja doch noch zu sehen.

Kulinarische Highlights

Als Höhenflug erlebe ich auch das Essen in Kapstadt. Während wir im Township in Langa mit Löffel und Fingern essen und danach nicht einmal Wasser haben, um unsere Hände zu waschen, scheint man an der Waterfront in eine andere kulinarische Welt einzutauchen. Zwar haben besonders diese Restaurants ihre Preise den Portemonnaies der Touristen angepasst. Dennoch isst man in Kapstadt auswärts meistens sehr günstig und gut. Ob vegane Kost, Seafood, Superfood oder Krokodilfleisch – man trifft auf eine sehr internationale und oftmals sehr gesunde Küche. Wobei: auch davon kann man sich einige zusätzliche Kilos aufladen 😉

Ich glaub wenn ich meine kulinarischen Favoriten aufzählen müsste, dann wären es wohl folgende:

Sushi

Sushi Plate von Beluga in Green Point

Frühstück: Caffee Latte und ein Salmon Croissant in Carlucci’s in Table View

Snack: Biltong

Mittagessen: Poulet-Basilikumpesto Wrap aus dem Food Market an der Waterfront oder the Green Sushi Plate von Beluga in Green Point

Dessert: New-Me Smoothie von NÜ in Green Point oder ein Stück Cheescake aus Charly’s Bakery im District 6 (wobei man nach einem solchen Stück gut auf das Nachtessen verzichten kann)

Süsses aus Charly's bakery

Süsses aus Charly’s bakery

Nachtessen: ein Braai mit einem Stück Straussenfleisch

Bester Wein: den hatte ich auf unserem Gardenroute Trip in Prince Albert auf einer winzigen Weinfarm. Ich möchte mich keines Wegs als Weinkennerin ausgeben, kann jedoch bestätigen, dass der eine oder andere südafrikanische Tropfen zu empfehlen ist. Lohnenswert ist auch der Besuch eines Weinguts. Alleine der Anblick eines solch majestätischen Anwesens ist die Reise wert.

Schönste Aussicht während des Essens: The Blue Peter in Blouberg oder The Ritz Hotel mit seinem drehbaren Restaurant in Sea Point. Aber auch von The Old Biscuit Mill in Woodstock und Black Sheep im Stadtzentrum höre ich viel Empfehlenswertes.

Gastautor/in

Ich bin Bernadette. Seit ich vor bald zwei Jahren das erste Mal gekitet habe, hat mich diese Sportart in ihren Bann gezogen. Zusätzlich wollte ich mein Englisch auffrischen und erweitern. Die Idee, einen Sprachaufenthalt an einem Ort zu absolvieren, an welchem ich Kiten konnte, erschien mir sehr passend.

Rahel Stössel

Rahel Stössel

Nach Sprachaufenthalten in Auckland, Vancouver und Nizza kümmert sich Rahel nun um alle Social-Media-Aktivitäten von Boa Lingua. Auch in ihrer Freizeit reist sie gerne, um die Welt zu entdecken und neue Sprachen zu lernen.

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