Valencia: Stadt der Herzen

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Valencia: Stadt der Herzen

SRF Moderator Mario Grossniklaus

SRF-Moderator Mario Grossniklaus

Eigentlich wollte ich ja nach Barcelona. Meine Herzensstadt. Ich hätte keinen Moment gezögert und eine Sprachschule in «Barna» gebucht, würden sich die Katalanen nicht gegen alles Spanische wehren. Aber es musste wohl so kommen.

Nun stehe ich also am Bahnhof von Valencia neben diesem wunderschönen Kolosseum, in dem der blutige Stierkampf bis heute mit allen Ehren zelebriert wird. Irgendwie fühle ich mich hier sofort zuhause. Die hohen Fassaden der überschaubaren Altstadt, die historischen Gebäude, die Orangen- und Olivenbäume an jeder Ecke: Sie laden ein zum Bleiben.

 

Das Kolosseum in Valencia

Das Kolosseum in Valencia

Gastfamilie? Ernsthaft?

Aber ist es clever, mit meinen bald 38 Jahren ein Zimmer in einer valencianischen Familie zu buchen? Mal ehrlich: Ich führe ein selbständiges Leben und brauche meinen Freiraum. Nun gut, dass die Wände mit Spidermans Heldentaten tapeziert sind und meine Vermieterin ungefragt meine Wäsche macht, ist gewöhnungsbedürftig. Aber was ist das schon, wenn man im Gegenzug plötzlich mitten drin steckt in dieser spanischen Lebenslust. Die Menschen haben es nicht leicht wegen der Finanzkrise. Auch Eva, meine vier Jahre ältere, alleinerziehende «Gastmutter», musste ihren Job als Innendekorateurin aufgeben. Manchmal kann ich kaum glauben, dass sie und all die anderen Valencianos, die ich kennenlerne, diesen einzigartigen Humor behalten haben – und diese herzliche Wärme, die ich in der Schweiz immer wieder so sehr vermisse.

Das Rathaus von Valencia

Das Rathaus von Valencia

Spanische Köstlichkeiten

Wie schnell ich Spanisch lerne mit meinen neuen Freunden. Wie schnell ich diese Kultur zu verstehen glaube und die Highlights der valencianischen Küche. «Weisst du, was eine Paella ist?», fragt mich Eva. «Natürlich weiss ich das! Eine Reispfanne mit Meeresfrüchten.» «¿Estás seguro, Mario?» Ob ich mir sicher bin? Nun, ich bin ja lernfähig und begrabe die landläufige Schweizer Vorstellung einer Paella kommentarlos. Das Original, diese Mischung aus feinstem «Bomba»-Reis aus der Gegend, Safran, Poulet und Kaninchen, lässt mir nur schon beim Schreiben das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und erst der Gedanke an die «Horchata de Chufa»! Ein erfrischendes Getränk aus valencianischen Erdmandeln. Dazu ein, zwei «Fartons», ein typisches Hefegebäck. Köstlich.

Horchata de Chufa mit Fartons

Horchata de Chufa mit Fartons

Spazieren, Velo fahren und natürlich tanzen

Ja, man isst viel und nicht nur gesund. Wenn ich in meiner unbändigen Lust auf Gemüse eine Broccoli-Tapa bestelle, kann diese schon mal frittiert auf den Teller kommen. Macht nichts, sage ich mir: Wer in Valencia lebt, kommt ja kaum aus der Bewegung. Sei es ein Spaziergang durch das kilometerlange, trockengelegte Flussbett der «Turia» mit seinen kühlen Palmenwäldchen, sei es eine Entdeckungsreise durch Calatravas futuristische «Ciudad de las Artes y las Ciencias», sei es eine Velofahrt zu den weitläufigen Stränden mit ihrem feinen, goldenen Sand: Die Kalorien purzeln wie von selbst. Auch nachts gibt es viel Bewegung. Kein Tanzmuffel kann sich Enrique Iglesias‘ Sommerhit entziehen: «Bailando» dröhnt es aus den Boxen der Open-Air-Clubs am Strand. Getanzt wird bis am Horizont über dem Mittelmeer die Sonne aufgeht.

Sonnenaufgang in Valencia

Sonnenaufgang in Valencia

Ich komme auf jeden Fall zurück

Valencianos feiern die Feste, wie sie fallen. Ihr heiligstes aber habe ich noch nicht erlebt: die «Fallas». Wenn die Nacht jeden 15. bis 19. März zum Tag wird, wenn riesige Feuerwerkskörper gesprengt und meterhohe Skulpturen aus Pappmaché verbrannt werden, dann ist Valencia angeblich in seinem einzigartigen Element.

Der Flug ist gebucht. Und die «Fallas» werden für mich nicht die letzte Gelegenheit sein, in meine Herzensstadt zu reisen. Die nämlich heisst seit letztem Sommer Valencia.

Gastautor/in

Wenn Mario Grossniklaus nicht gerade unter einem valencianischen Regenschirm sitzt, wohnt und arbeitet er in Zürich – aktuell für die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens. Seine zweimonatige Sprachreise nach Valencia hat er im Rahmen eines Sabbaticals gemacht.

Gastautor/in

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